Über kalte Arme, klare Luft und die Kunst sich alles schön zu reden

 

Es ist schon erstaunlich, wie die Wahrnehmung so funktioniert, und vor allem, wie der Mensch sich auf seine Umwelt einstellt (gezwungenermaßen). Man lernt ja im Studium viel Medizinisches um Hirn und Haupt – zumindest im Neurologischen Bereich – es aber am eigenen Leib immer wieder zu erfahren, macht das Ganz dann schnell spannender 🙂

Gestern früh noch gefühlt im Trainingscamp der Hölle, zogen gegen Nachmittag dann, ähnlich wie bei Harry Potter, die Dementoren am Himmel auf und es wurde dunkel und stürmisch.

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Natürlich hat es NICHT geregnet .. jedenfalls nicht in Mainz.. oder da wo ich arbeite und wohne, aber es hat sich tatsächlich runtergekühlt. Letzte Nacht seit langem mal nicht alle Fenster auf „kommt doch alle rein, hier ist es offen und nehmt Euch was Ihr wollt“ gestellt – und auch die Straßenbahn, die von der Lautstärke her nachts direkt durch mein Bett fuhr, zischte und rappelte nun nur neben dem Bett her. Heute früh machte sich aber dann tatsächlich ein längst vergessenes Gefühl breit… kalte Arme. Und ich habe wirklich und wahrhaftig die dünne Sommerbettdecke über mich gezogen.. und gefroren. GEFROREN!! Ein Wort, welches ich längst aus meinem Sprachgebrauch gestrichen hatte. Es fühlt sich an wie Herbst…. herrlich. Die Luft ist klar.. und die Sonne scheint.

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Todesmutig habe ich mich winterlich angezogen.. ein Kleid mit kurzem Ärmel.. – und schon wieder bereut. 6.20 Uhr – ich bin im Büro angekomme… Hitze, stickige Luft. Logisch – gestern haben alle die Fenster geschlossen.. Unwettergefahr. Nun gut, man soll ja auch nicht aus der Übung kommen, was Schwitzen betrifft. Irgendwie freut man sich über Sonne und Wärme – aber die letzten Wochen stimmen nachdenklich. Jedenfalls mich.

Ja, wir alle wissen über unsere schöne Mutter Erde – und dass wir auf dem Weg sind alles dafür zu tun, um sie kaputt zu bekommen. Aber wenn man dann tatsächlich mal vor Augen geführt bekommt, was passiert, wenn das Wasser knapp wird, wenn wie zum Beispiel am Edersee, plötzlich eine Brücke zum Vorschein kommt, von der niemand etwas ahnte, weil im Normalfall der Wasserpegel weit darüber lag. Wenn ein Dorf bei Osterode im Harz, kein Wasser mehr hat, also wirklich nichts mehr aus der Leitung kommt – keine Toilette mehr spülbar ist, und das Vieh der Bauern in Gefahr ist.. usw. usw.. dann ist das erschreckend. Aber – und da nehme ich mich nicht aus – man denkt nicht weiter drüber nach. Der Braunkohleabbau, der unsere Wäler abholzt und die Luft verpestet wird hier in Deutschland genauso weiter betrieben wie  – und da noch viel schlimmer in Australien – die USA hat mal so gar keine Lust sich am Klimaschutz zu beteiligen.. und wir haun das Wasser raus.. als gäbs kein Morgen. Alles paradox – auf der einen Seite gibt es Menschen die verdursten – und auf der anderen Seite der Welt .. bewässern wir Golf -Anlagen damit der Ball schön rollt. Verrückt.

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Und die Ausreden die wir alle haben – nennt man in der Psychologie „Kognitive Dissonanz“ Betreiben wir übrigens ALLE – täglich. Wenn ihr damit nichts anfangen könnt: Die nennen wir es mal fachfrauliche Erklärung die man im Studium darüber lernt ist eher trocken :

Unter dem Begriff kognitive Dissonanz (KD) versteht man einen psychischen Spannungszustand eines Individuums aufgrund eines osvchologischen Widerspruchs zwischen einzelnen Elementen seines »kognitiven Systems« (Einstellungen, Wissen, Wertvorstellungen, Verhalten).

Kognitive Dissonanz tritt unter anderem auf,

  • wenn man eine Entscheidung getroffen hat, obwohl die Alternativen ebenfalls attraktiv waren;
  • wenn man eine Entscheidung getroffen hat, die sich anschließend als Fehlentscheidung erweist;
  • wenn man gewahr wird, dass eine begonnene Sache anstrengender oder unangenehmer wird als erwartet;
  • wenn man große Anstrengungen auf sich genommen hat, nur um dann festzustellen, dass das Ergebnis den Erwartungen nicht gerecht wird;
  • wenn man sich konträr zu seinen Überzeugungen verhält, ohne dass es dafür eine externe Rechtfertigung (Nutzen/Belohnung oder Kosten/Bestrafung) gibt.

Der gute Herr Festinger (ein Sozialpsychologe) hatte vor langer Zeit mal diese Definition aufgestellt – der wir tagtäglich begegnen.

Um es mal mit eigenen Worte zu sagen : Wie man sich selbst bescheisst und sich alles schön redet 🙂

Die Raucher von Euch wissen, was ich mein… neeeeeee jetzt mal nicht die Augen verrollen… raucht doch – meine Lunge ist es ja nicht. Aber der Raucher bildet eine so wunderbare Plattform für die plastische Erklärung:

Du rauchst.. weißt im Grunde, dass es ungesund ist, deine Lunge darunter leidet, es stinkt, Deine Geld den Bach runter geht, und es keinen wirklich guten Grund gibt, es zu tun. Das macht erstmal ein richtig blödes Gefühl im Bauch.. Spannungszustand, nicht schön. Der muss also irgendwie weg… und da freut sich schon die Familie Dissoanz und sagt Dir : Hey… der olle Bundeskanzler Helmut Schmidt ist als Kettenraucher uralt geworden.. oder der Fußballer xy ist doch fit und raucht auch… oder das Modell qualmt wie ein Schlot und hat auch keine Falten. Ich rauche weil ich gestresst bin.. oder weil ich sonst zunehme (dämlichstes Beispiel – dann müssten alle Raucher schlank sein).. usw.

Für die, die sich jetzt politisch verfolgt fühlen.. andere Beispiele: das gekaufte Kleid, der Friseurbesuch, das neue Auto, der Urlaub, die Dinge, die man kauft obwohl man weiß, dass man sie nicht unbedingt braucht und vor allem gerade nicht leisten kann… etc. etc.. alles fällt darunter.

Und somit auch… die Sache mit dem Klimaschutz.. und unserer schönen Erde.. Und ja – ich alte Klugscheißerin  – ich bin nicht besser.. ich ertappe mich auch ständig und permanent, wie ich mir unangenehme Dinge oder Verhalten schön rede.

Es geht mir auch gar nicht darum, dass wir alle einen so großen Heiligenschein haben, dass wir nicht mehr durch die Tür kommen.. aber wenn wir alle manchmal, oder wenigstens 1x am Tag in uns gehen.. und darüber nachdenken, wo wir uns selbst bescheissen.. tun auch wir uns etwas Gutes.

Soviel zur Theorie. In der Praxis treffen wir häufig Entscheidungen, die wir im Nachhinein bereuen, oder wir lassen uns zu Dingen hinreißen, die wir eigentlich nicht tun sollten. Nicht immer wägen wir Alternativen rational ab, machen uns Pro- und Kontra-Listen und durchdenken alle Optionen bis zum Ende. Häufig entscheiden wir emotional aus dem Bauch heraus. Wir alle erleben uns oft dabei wir wir uns selbst nichts Gutes tun… sei es dass wir unseren Körper schlecht behandeln – nur weil wir im Grunde auf unser Leben sauer sind.. , oder dass wir in Beziehungen stecken, die uns nicht gut tun, aus Angst, allein zu sein. Dass wir einer Arbeit nachgehen ,die uns fertig macht.. oder dass wir Dinge tun, die wir schon ewig tun und hassen – aber denken, es müsste so sein, weil wir jemandem etwas schuldig sind…

Das Wichtigste, das man sich zunächst vor Augen halten sollten, ist, dass es nahezu keine Entscheidung gibt, die unabänderlich ist. Meist können wir sie korrigieren und aus Fehlern lernen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man offen und ehrlich zu sich selbst ist und mit allen Konsequenzen zu seiner Entscheidung steht.

Heißt aber auch, dass man nicht die Augen verschließen darf vor unangenehmen Wahrheiten, die die eigene Wahl oder das eigene Verhalten infrage stellen. Also  – gesteht Euch zu, Fehler zu machen. Und auch wenn es unbequem erscheint: seid mutig genug, Eure Entscheidungen zu revidieren oder Eure Verhaltensweisen zu ändern.

Denkt immer daran, was Konfuzius einmal gesagt hat: „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“

In diesem Sinn, passt auf Euch und unsere Erde ein wenig besser auf – Ihr werdet noch gebraucht, Eure Susi

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